Mythologie und Religion

Es gibt so etwas wie einen Schnittpunkt zwischen Wissenschaft, Mythologie und Religion. So wie die Wissenschaft aus einem wahren Kern und einem Haufen haarsträubender Irrtümer besteht, so haben auch Mythologie und Religion wahre und falsche Teile. Man kann sich vorzustellen, wie sich aus diesem Mischmasch von Richtig und Falsch in allen 3 Bereichen die wahren Teile herauslösen und zu etwas Neuem vereinigen. Sie vereinigen sich zu einer Weltsicht, in der Wissenschaft, Mythologie und Religion keinen Widerspruch mehr darstellen, sondern lediglich verschiedene Perspektiven der gleichen Wahrheit. Im Lichte einer solchen Weltsicht macht plötzlich vieles Sinn, das vorher nicht zusammenpasste. Es ist wie bei einem riesigen Puzzle, das sich auf geradezu magische Weise zusammenfügt. Diesen Vorgang tatsächlich zu erleben, erzeugt eine unendliche Ruhe und Gelassenheit. Die ganze Getriebenheit und das Hektische fallen von einem ab, weil endlich alles einen Sinn ergibt.

Tatsächlich ist die Mythologie nur eine andere Art von Wissensvermittlung, die nicht im gleichen Sinne wortwörtlich zu nehmen ist wie wissenschaftliche Aussagen. Und Religion ist wiederum eine andere Art von Wissensvermittlung. Während die Wissenschaft direkt den rational arbeitenden Verstand adressiert, richten sich Mythologie und Religion an nicht-rationale Teile der menschlichen Psyche. Durch einen "Knacks in der Evolution", den die Religion als "Sündenfall" bezeichnet, wurde die menschliche Psyche "von ihrer Quelle" getrennt und fiel auseinander. Seitdem ist eine Entwicklung in Gang, durch die sich der rationale Verstand zunehmend verselbstständigt hat und nun glaubt, alleine alles zu sein und alle Probleme ganz allein lösen zu können und auch zu müssen, während die nicht-rationalen Teile der Psyche eine drastische Abwertung erfahren haben und immer weiter verkümmern.

Aber dieser Vorgang ist umkehrbar. Mythologie und Religion versuchen seit Jahrtausenden, den Menschen dahin zurückzuführen, seine Psyche wieder als Ganzes zu benutzen und den Verstand wieder an seine Quelle anzuschließen.

Aber was ist diese "Quelle des Verstandes"?

Es handelt sich um einen sehr direkten und extrem effektiven Zugang zur Realität oder anders gesagt um eine Informationsquelle, die Antworten liefert, von denen die Wissenschaft in ihrer heutigen Form noch nicht einmal träumen kann. Es ist genau diese Informationsquelle, die dem Menschen gegenwärtig fehlt, um seine Probleme tatsächlich und wirksam zu lösen. In der Mythologie finden wir unzählige Hinweise auf diese Quelle: Sie erscheint dort als Stein der Weisen, Heiliger Gral oder auch einfach als ein unermesslich wertvoller Schatz, dessen Wert sich allerdings nicht nur materiell bemisst und den alle suchen und haben wollen.

In der Religion hingegen erscheint die Informationsquelle als Gott, an den man sich wenden kann, um Antworten zu erhalten. Allerdings hat diese Sichtweise gravierende Nachteile. Die Personifizierung führt zwangsläufig dazu, dass man glaubt, sich diese Informationen irgendwie gegenüber diesem Gott verdienen oder erbetteln zu müssen oder als würde Gott sie an gewisse Bedingungen knüpfen. Aber nichts könnte falscher sein. "Die Gnade Gottes ist vollkommen bedingungslos!" Martin Luther gehörte zu den wenigen, die auf diese Weise einen echten Zugang gefunden haben. (Die "Gnade Gottes" bedeutet nichts anderes als echte Lösungen für schwerwiegende Probleme zu erhalten.) Die Methode der Religion ist keine sehr effektive und wirksame Methode, um an die Informationen heranzukommen, weil sie das Wesen der Informationsquelle nicht präzise genug erfasst. Es war deshalb auch kein Fehler der Geschichte, dass die Religion an Bedeutung verlor. Man könnte es allerdings durchaus als Fehler der Geschichte betrachten, dass mit der wissenschaftlichen Weltsicht ein neues einschränkendes Dogma installiert wurde, das den Menschen dieses Mal effektiver als jede Weltsicht zuvor von jener Informationsquelle abschnitt und damit auch von einer Lösung seiner wirklich brennenden Probleme. Als die Wissenschaft die Religion komplett entsorgte, nahm sie den Menschen den letzten kleinen Rest jener Verbindung zur Realität.

Es sollte an dieser Stelle auch deutlich werden, dass die Art und Weise, wie Religion aus Sicht der Wissenschaft betrachtet wird, ganz einfach vollkommen falsch ist. Es geht nicht darum, ob es einen Gott nach den Vorstellungen der Kirche gibt und ob die Existenz dieses Gottes wissenschaftlich bewiesen werden kann. Sondern es geht vielmehr um die Frage, was die Religion mit ihren Geschichten und Ritualen in der Psyche des Menschen an Positivem und Wichtigem bewirkt hat, das die wissenschaftliche Weltsicht dem Menschen in ihrem Dogmatismus, ihrer Ignoranz, ihrer Selbstüberschätzung und ihrer Unwissenheit nicht bieten kann.

Die Informationsquelle ist für den Menschen der Schlüssel, um zurück ins "Paradies" zu gelangen. Das Paradies ist ein Leben, in dem viele der gegenwärtig geradezu erdrückenden Sorgen vom Menschen genommen werden.

Mancher wird jetzt vielleicht sagen "Aber so viele Sorgen haben wir doch gar nicht." Aber das ist in erster Linie Selbstbeschiss. Der gegenwärtige Mensch ist ein überragender Meister der Illusionen. Statistiken zeigen zum Beispiel eine rasante Zunahme starken Übergewichts und das bedeutet eine extreme Einschränkung der Lebensqualität! Das gleiche gilt für Sucht, Depression, Angst, unheilbare Krankheiten, Geldsorgen, Armut, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Wirtschaftskrisen, Klimawandel, Umweltverschmutzung, Terror und Krieg. Aber natürlich: Es geht uns blendend! Auf zur nächsten Party! Wenn die Sorgen kommen, machen wir einfach das Radio an und lassen uns von den Berufs-Gute-Laune-Verbreitern wieder einlullen, anstatt die Probleme zu lösen.

nächstes Kapitel: Erkenntnisprozess (Mythologie)
Bitte unterstützen Sie das Projekt, wenn Sie von diesen Informationen profitieren konnten: