Gefühle, Energie und Blockaden

Wir haben also ein Problem, für das wir erkannt haben, dass all unser Lösungsbemühen nur sinnloser Aktionismus ist, der niemals zur Lösung des Problems führen wird und deshalb haben wir den Aktionismus eingestellt. Und nun werden wir "volle Kanne" mit der negativen Zukunftsprojektion konfrontiert, die vorher durch den Aktionismus in Schach gehalten wurde.

Wir stehen vor einem Problem ohne Lösung und das Innere der Psyche produziert die heftigsten Schreckensszenarien, um uns zur Lösung des Problems zu bewegen. Wir können das Problem aber nicht lösen, weil wir die Lösung nicht kennen. Eine aussichtslose Situation.

An dieser Stelle ist entscheidend für das Gelingen des Erkenntnisprozesses, dass auf die richtige Weise mit der Situation umgegangen wird. Auch dabei hat die innere Wahrnehmung eine Schlüsselfunktion. Es sieht also so aus, als würde "etwas Schlimmes" auf einen zukommen. In der Folge geschieht etwas, das ich auch als "emotionale Kollision mit der Realität" bezeichne. "Emotionale Kollision" deshalb, weil es im Gegensatz zu einer "materiellen Kollision" zunächst nicht zu echten Beulen führt, sondern sich um einen rein psychischen Vorgang im Rahmen der inneren Wahrnehmung handelt. Dennoch erscheint das, was jetzt geschieht, sehr überzeugend und real. Das schlimmste im Rahmen des Problems befürchtete scheint unabwendbar über einen hereinzubrechen. Es ist eine Situation, bei der man den Eindruck hat, dass man sie eigentlich auf absolut gar keinen Fall zulassen dürfte. Das ist die bereits erwähnte Konditionierung der wissenschaftlichen Weltsicht. Um den Erkenntnisprozess zu aktivieren, muss man aber lernen, diese Situation auszuhalten - und nicht nur sie auszuhalten, sondern sich ihr im Gegenteil sogar noch zu öffnen und sie vollumfänglich im inneren Erleben zuzulassen. Was bedeutet das?

Die scheinbar direkte Konfrontation mit dem Unabwendbaren führt zu einer Reihe von emotionalen Prozessen, die alles andere als angenehm sind. Eine Vielzahl von negativen Gefühlen schießt in die Wahrnehmung. Dabei ist ein Gefühl besonders prominent vertreten: das Gefühl von Ohnmacht: nichts tun zu können und hilflos ausgeliefert zu sein. Man muss sich an dieser Stelle klar machen, dass diese Gefühle nicht notwendigerweise die Realität widerspiegeln. Ich hatte ja bereits mehrfach erwähnt, dass der rationale Verstand in diesem Prozess aus seiner Isolation herausgeholt wird. So lange er sich aber noch im Zustand der Isolation befindet, weiß der Verstand noch nicht, dass es noch andere Lösungen gibt, zu denen er bisher nur keinen Zugang hatte. Daher das Gefühl der Ohnmacht.

Trotzdem ist es ein wichtiger Erfolgsfaktor für das Gelingen des Erkenntnisprozesses, diese emotionalen Prozesse im vollen Umfang ablaufen zu lassen und sie nicht zu blockieren. Die innere Wahrnehmung umfasst eine Vielzahl ganz unterschiedlicher Arten von Wahrnehmung. Im Grunde gibt es nicht "die innere Wahrnehmung", sondern genau wie die "äußere Wahrnehmung" durch die äußeren Sinne, kann man sich die innere Wahrnehmung vorstellen als ein Produkt ganz unterschiedlicher "innerer Sinne". Und einer dieser Sinne bezieht sich auf die Wahrnehmung von "Energieflüssen" in Psyche und Körper. Ich weiß, dass dieser Ausdruck für manche Menschen etwas gewöhnungsbedürftig ist. Wir wissen, dass elektrischer Strom in einem Kabel fließt. Wir sehen Blitze, die aus den Wolken auf der Erde einschlagen. Wir fühlen Wind, der weht und Sonnenstrahlen, die unsere Haut wärmen. Wir kennen Lava, die aus einem Vulkan austritt und Flüsse, die durch die Landschaft fließen. All das könnte man als "äußere Formen fließender Energie" bezeichnen. Und von ganz ähnlicherer Charakteristik gibt es auch "Energieflüsse" im Inneren des Menschen. Ich beziehe mich jetzt nicht auf das Blut, das in den Adern fließt, sondern vielmehr auf nicht-sichtbare, nicht-materielle Formen solcher Energieflüsse, die sich zwar vielleicht nicht messen lassen, aber die in absolut präziser Weise von der inneren Wahrnehmung erfasst werden.

Wenn nun die unmittelbare Konfrontation mit einem Problem erfolgt, dann "kommen Emotionen hoch", die sich mit einer ganz ähnlichen Charakteristik bewegen, wie äußere Energieströme. Und genau wie die äußeren Energieströme können diese Emotionen blockiert werden oder ungehindert fließen. Genauer gesagt haben wir selbst es auf der Grundlage unserer inneren Wahrnehmung in der Hand, diese Emotionen zu blockieren oder ungehindert fließen zu lassen.

Normalerweise werden im Zustand der rationalen Isolation negative Emotionen sofort und automatisch blockiert. Die Psyche ist durch ihre gegenwärtige Weltsicht der Meinung: "Das fühlt sich negativ an, das schalte ich aus." Und das ist aber ein Irrtum, wie er größer nicht sein könnte: Das Durchleben der negativen Gefühle ist der Schlüssel zur Lösung ihrer Ursachen.

Die reflexartige Blockade negativer Gefühle ist übrigens genau das Verhalten, welches die nicht-rationalen Teile der Psyche deaktiviert und aus dem Spiel nimmt. Um den Erkenntnisprozess in Gang zu setzen, muss man nun lernen, diesen Blockierungsprozess mit seiner inneren Wahrnehmung zu erfassen und dann aufzuheben. Das bedeutet, die Gefühle ungehindert fließen oder auch "hochkommen" zu lassen. Das ist ein Vorgang "innerer Öffnung". Man "öffnet" sich für seine Gefühle. Man macht innerlich die Schleusen auf und dann fließt die Energie bzw. fließen die Gefühle ungehindert. Das kann sehr beängstigend sein, denn das "Hochkommen der Gefühle" ist gleichbedeutend mit der Wahrnehmung, dass nun alles immer schlimmer und überhaupt unvorstellbar schlimm wird.

Der Vorgang der Öffnung für negative Gefühle ist gleichbedeutend damit, das scheinbar auf einen zukommende "Allerschlimmste" kommen zu lassen und sich nicht mehr dagegen zu stemmen. Ich persönlich behelfe mir in dieser Situation oft mit dem Satz: "Dann ist es eben so". Man hört auf, sich gegen eine scheinbar unabwendbare negative Entwicklung zu stemmen.

Dabei hilft es, sich das bereits erwähnte Paradoxon noch einmal zu vergegenwärtigen:

Die innere Öffnung für negative Gefühle weckt die nicht-rationalen Teile der Psyche nach und nach auf. Mit jedem erneuten Durchlaufen des Erkenntnisprozesses werden die nicht-rationalen Teile der Psyche ein bisschen mehr aktiviert, wenn die negativen Gefühle ungehindert über einen hereinbrechen.

An dieser Stelle noch eine Anmerkung:

Die Unterscheidung von Energie, die fließt und Energie, die blockiert wird, ist eine der wichtigsten Aufgaben der inneren Wahrnehmung und zwar nicht nur bezogen auf die Innenwelt der Psyche, sondern auch bezogen auf die materielle Außenwelt. Die innere Wahrnehmung nimmt einerseits Prozesse innerhalb der Psyche wahr, aber sie fügt auch den äußeren Prozessen zusätzliche Informationen hinzu. Auch die äußeren Prozesse werden von Energieflüssen bestimmt, die nicht direkt sichtbar und messbar sind. Aber die innere Wahrnehmung nimmt sie in absoluter Präzision wahr. Indem ein Mensch lernt, seine innere Wahrnehmung zu nutzen, geht er in unvorstellbarer Weise über die Möglichkeiten der äußeren Wahrnehmung und der Wissenschaft hinaus.

Menschen vergeuden zum Beispiel viel Zeit in Gesprächen, die sich vordergründig scheinbar um ein sachliches Thema drehen, während es im Hintergrund "auf energetischer Ebene" um etwas ganz anderes geht, das auf der nur scheinbar bestimmenden sachlichen Ebene gar nicht geklärt werden kann. Die innere Wahrnehmung erkennt solche Scheingefechte sofort. Würden Menschen ihrer inneren Wahrnehmung vertrauen, dann müssten sie sich weder in sinnlosen Gesprächen aufreiben, noch jahrelang in völlig blockierten Situationen feststecken.

Was ich mit dieser Anmerkung klarmachen wollte ist folgendes: Innere Wahrnehmung bezieht ihre Informationen aus dem Inneren der Psyche. Sie erfasst die nicht-materiellen Aspekte der Realität. Aber die inneren Wahrnehmungen können sich sowohl auf inner-psychische Prozesse als auch auf äußere Prozesse beziehen. Der Erkenntnisprozess läuft im Inneren der Psyche ab. Für ihn benötigen wir innere Wahrnehmung, die sich auf inner-psychische Prozesse bezieht. Aber darüber hinaus spielen die von der inneren Wahrnehmung erfassten nicht-materiellen Aspekte auch in allen äußeren materiellen Prozessen eine tragende Rolle. Das "innere" im Begriff der "inneren Wahrnehmung" bezieht sich auf die Quelle der Informationen und nicht auf den Gegenstand der Informationen. Der Gegenstand der Informationen kann sich sowohl im Inneren als auch im Äußeren befinden.

Um den Erkenntnisprozess in Gang zu setzen, benutzen wir die innere Wahrnehmung zur Steuerung inner-psychischer Prozesse. Wenn dieser Vorgang allerdings erfolgreich war und der Erkenntnisprozess abläuft, dann liefert er Informationen, die sowohl das Innere der Psyche als auch die äußere, materielle Umwelt betreffen.

Wenn ich vom "Inneren" spreche, beziehe ich mich immer auf das Innere der Psyche, falls es nicht explizit anders erwähnt wurde. Das Innere der Psyche darf nicht verwechselt werden mit dem "Inneren des Körpers". Auch der Körper enthält wie schon erwähnt jede Menge materielle Energieflüsse, wie z.B. den Blutfluss, Informationsimpulse in den Nervenbahnen usw. Die taktile Wahrnehmung als einer der äußeren Sinne kann körper-innere materielle Energieflüsse in einem kleinen, sehr beschränkten Umfang wahrnehmen. Aber darüber hinaus gibt es im Körper auch jede Menge nicht-materielle Energieflüsse, welche die innere Wahrnehmung mit einer sehr großen Präzision wahrnehmen kann. Dieser Teil der inneren Wahrnehmung wird benötigt, um den Erkenntnisprozess zum Zwecke der Heilung bzw. zur Lösung von Gesundheitsproblemen einzusetzen.

Da ich gerade bei etwas schwierigen, begrifflichen Unterscheidungen bin, hier gleich noch ein paar weitere:

  1. Die innere Wahrnehmung als solches ist etwas, das immer aktiv ist, sobald wir ihr unsere Aufmerksamkeit schenken. So wie wir die Augen aufmachen können, um zu sehen, können wir unsere Aufmerksamkeit nach Innen richten und beziehen sofort Informationen aus der inneren Wahrnehmung - ob sie uns nun gefallen oder nicht.
  2. Der Erkenntnisprozess ist ein singulärer psychischer Prozess: Er läuft ab und bringt dann einmalig Informationen hervor, die über unsere "normale" permanente innere Wahrnehmung weit hinausgehen. Es handelt sich um eine Art "Erkenntnissprung". Gleichzeitig aber führt das wiederholte Durchlaufen des Erkenntnisprozesses zu einer Transformation der Psyche, welche die innere Wahrnehmung auf eine neue Stufe hebt. Die innere Wahrnehmung erlangt dadurch zunehmend einen permanenten Zugriff auf Informationen, die am Anfang der Entwicklung nur über den Erkenntnisprozess zugänglich sind. Es ist so, als wäre der Erkenntnisprozess eine Art "Sprung in höhere Erkenntnisgefilde", die dem Menschen dadurch, dass er immer wieder "springt", zunehmend kontinuierlich zugänglich werden.
  3. Die nicht-rationalen Teile der Psyche sind im Zustand de "rationalen Isolation" weitestgehend deaktiviert bzw. nur ganz rudimentär aktiv. Das wiederholte Durchlaufen des Erkenntnisprozesses weckt sie nach und nach auf. Die Entwicklung der inneren Wahrnehmung ist direkt an die Reaktivierung der nicht-rationalen Teile der Psyche gekoppelt. Man könnte auch sagen, die nicht-rationalen Teile der Psyche sind die "psychischen Organe", welche die innere Wahrnehmung ermöglichen. Man kann sich die nicht-rationalen Teile der Psyche vorstellen wie "nicht-rationale Formen von Verstand". So wie der rationale Verstand Ideen rational beurteilt, so beurteilen die nicht-rationalen Teile der Psyche Ideen zum Beispiel

Die nicht-rationalen Teile der Psyche korrespondieren mit Energiezentren, welche "außerhalb der Wissenschaft" auch als "Chakren" bezeichnet werden. Diese wiederum korrespondieren mit bestimmten Drüsen im Körper, welche die Medizin zwar kennt, aber nur aus rein biologischer (materieller) Sicht, wodurch ihre eigentliche Bedeutung vollkommen verkannt wird.

Normalerweise sind wir es gewohnt, den menschlichen Körper organisch zu betrachten, indem wir ihn zum Beispiel aufschneiden oder röntgen. Diese Betrachtung geschieht über die äußeren Sinne. Meistens wird das für die einzige mögliche Sicht auf den Körper gehalten. Aber die innere Wahrnehmung eröffnet noch eine andere Sicht auf den menschlichen Körper: die energetische Sicht. Diese nimmt nicht-messbare Energieflüsse und Blockaden im Körper wahr und verknüpft sie mit Ideen der Weltsicht. Diese Sichtweise ist der Schlüssel zur Heilung von Krankheiten, die im Rahmen der wissenschaftlichen Weltsicht als unheilbar gelten.

nächstes Kapitel: Grenzen überschreiten (Erkenntnisprozess)
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