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Die verlorene Energie

Meine Behauptung, die Welt würde sich gar nicht so negativ verhalten, wie der Mensch immerzu annimmt, führt bei den meisten Menschen sofort zu einer Gegenfrage:

Warum geschieht dann aber so viel Negatives in der Welt?

Das ist die gleiche Frage, die auch immer wieder aufkommt, wenn Menschen über religiösen Glauben sprechen, von denen einer an die Existenz eines Schöpfers glaubt und ein anderer nicht:

"Wie kann es einen Schöpfer geben, wenn so viel Schlimmes in der Welt geschieht?"

So stelle ich die Frage aber nicht. Ich hatte im vergangenen Kapitel einfach nur behauptet, im Erkenntnisprozess würden sich negative Zukunftsprojektionen als falsch herausstellen. Und daraus ergibt sich natürlich die Frage:

Wo kommen dann all die negativen Entwicklungen her, mit denen der Mensch ganz real konfrontiert ist?

Sie resultieren aus einer Weltsicht, welche die wirklich drängenden Probleme nicht lösen kann und welche zusätzlich zu den tatsächlichen Problemen auch noch einen Haufen Scheinprobleme hervorbringt:

  1. Dadurch kennt der Mensch die tatsächlichen Ursachen der Probleme nicht und kann sie deshalb auch nicht beseitigen
  2. Der Aktionismus, der ohne Kenntnis der eigentlichen Ursachen die Probleme zu lösen versucht, beschleunigt die negativen Entwicklungen noch einmal zusätzlich.

Wir haben also die paradoxe Situation, dass genau das Verhalten, welches die Probleme eigentlich beseitigen soll, sie zum größten Teil überhaupt erst erzeugt. Warum ist das so?

Um das zu veranschaulichen, möchte ich auf das Ich-Welt-Modell zurückkommen:

Das Ich versucht also, in der Welt eine Wirkung zu erzielen. Dafür setzt es seine Energie ein. Ob dieser Energieeinsatz die gewünschte Wirkung erreicht oder nicht, hängt davon ab, ob die Weltsicht im relevanten Bereich mit der Realität übereinstimmt oder nicht:

Weltsicht = Realität => volle Wirkung

Weltsicht ≠ Realität => keine Wirkung (Das ist u.a. das Szenario von Aktionismus)

(Zeichenerklärung: = ist gleich, ≠ ist ungleich, => daraus folgt)

In der Realität gibt es aber auch die Abstufungen zwischen den beiden Extremen, so dass die vollständige Darstellung lautet:

Das Maß an Übereinstimmung von Weltsicht und Realität bestimmt die Effektivität des Energieeinsatzes. Je höher das Maß an Übereinstimmung von Weltsicht und Realität, um so höher die Effektivität des Energieeinsatzes.

Diese Sichtweise unterscheidet sich bereits erheblich von der wissenschaftlichen Weltsicht. Im Rahmen der wissenschaftlichen Weltsicht ist es vollkommen normal, viel Energie einzusetzen, damit keine Wirkung zu erzielen und trotzdem an der Richtigkeit der zugrunde liegenden Ideen festzuhalten. Das liegt daran,

Wenn Weltsicht und Realität nicht oder nur teilweise übereinstimmen, dann wird die eingesetzte Energie nicht oder nur teilweise in Wirkung umgesetzt. Wenn wir nun den Energieerhaltungssatz aus der Physik auf menschliche Energie anwenden, taucht sofort die Frage auf:

Aber wo ist die Energie, die nicht zu Wirkung wurde, denn dann geblieben?

Und nun nähern wir uns dem Teil der Realität, den die wissenschaftliche Weltsicht nicht erfassen kann, weil sie ihn irrtümlicherweise für irrelevant hält. Wir kommen jetzt zu den Wirkungen, die der Mensch permanent zu seinem Nachteil erzeugt, ohne sich dessen bewusst zu sein. Wir kommen zu den Verhaltens-bestimmenden Faktoren (auf Seiten der Welt), die aus Sicht der wissenschaftlichen Weltsicht später wie Zufall aussehen.

Die "menschliche Energie" oder der "menschliche Energieeinsatz" an sich ist ja schon eine Größe, die der Wissenschaft suspekt ist, weil sie sie nicht messen kann. Und dennoch ist sie aber da. Jeder Mensch weiß über seine innere Wahrnehmung selbst in aller Klarheit, wann er Energie eingesetzt hat, um irgendwas zu erreichen. Und jeder Mensch weiß auch in aller Klarheit, wann er die gewünschte Wirkung dann doch nicht erzielt hat. Und trotzdem ist es für die meisten Menschen vollkommen normal, permanent Energie einzusetzen, ohne eine Wirkung zu erzielen. Aber niemand fragt sich, wo diese Energie dann bleibt!

Energie kann nicht verschwinden. Ob man die Energie nun messen kann oder nicht - der Energieerhaltungssatz gilt absolut unerbittlich.

Und wir müssen die Energie auch nicht messen, weil wir ja die innere Wahrnehmung haben. Die innere Wahrnehmung liefert absolut präzise Informationen, wo Messgeräte nicht weiterkommen. Die innere Wahrnehmung eröffnet den Zugang zu einer ganzen neuen Welt an Erkenntnis, an Handlungsfähigkeit und an Bedeutung. Ich nenne diesen Teil der Welt "die unsichtbare Realität". Es ist die Welt der nicht-materiellen und damit nicht messbaren Zusammenhänge. Und hier finden wir auch die scheinbar verlorene Energie wieder. Leider wird uns in vielen Fällen nicht gefallen, was sie angestellt hat.

Das Ich setzt in Form seines Verhaltens seine Energie ein, um Wirkungen zu erzielen. Je nachdem, ob die Weltsicht im relevanten Bereich mit der Realität ganz, teilweise oder gar nicht übereinstimmt, erreicht das Ich die angestrebte Wirkung ganz, teilweise oder gar nicht.

Das Ich wirkt also über sein Verhalten auf die Welt ein und dieses Verhalten wird durch die Weltsicht des Ich bestimmt. In anderen Worten könnte man auch sagen:

Das Ich projiziert mit seiner Energie und durch sein Verhalten seine Weltsicht auf die Welt:

Ich -> Energie -> Weltsicht -> Verhalten (Ich) -> Welt

Und das verändert das Verhalten der Welt: Es kommt zu einer Verzerrung des Verhaltens der Welt in Richtung der Weltsicht des Ich. Die Welt nähert sich in ihrem Verhalten den Erwartungen des Ich an. Das ist, was die scheinbar verschwundene Energie macht. Ich spreche von einer "Verzerrung" weil es sich nicht notwendigerweise um eine dauerhafte Verhaltensänderung auf Seiten der Welt handelt. Sie besteht nur, solange das Ich diesen Einfluss über seinen Energieeinsatz aufrechterhält. Wird dieser Einfluss unterbrochen, entwickelt sich das Verhalten der Welt zurück in seine natürliche Ausgangslage, wie es ohne den Einfluss des Ich war. Es ist eine der Wirkungen des Erkenntnisprozesses, diesen Einfluss zu durchbrechen, wenn er sich negativ auswirkt.

Wenn also das Ich der Welt eine negative Entwicklung unterstellt, die eigentlich gar nicht der Realität entspricht und dann aufgrund dieser falschen Annahme in Aktionismus verfällt, dann projiziert es damit seine Erwartung einer negativen Entwicklung auf die Welt. Die Welt wiederum beginnt auf Grund dessen, sich in einem schrittweisen, schleichenden Prozess mit ihrem Verhalten an die negativen Erwartungen des Ich anzunähern. Das heißt, das Verhalten der Welt verändert sich zum Negativen.

Das Verhalten des Ich bedeutet einen Energieeinsatz. Die hinter diesem Verhalten stehenden Ideen lenken die eingesetzte Energie. Der Energieeinsatz "sendet" bzw. überträgt die Ideen an das Zielobjekt des Verhaltens, das daraufhin in seinem Verhalten von den Ideen beeinflusst wird.

Man könnte auch sagen: "Die negativen Erwartungen des Ich werden durch den Aktionismus zur Realität." Es ist aber eigentlich keine "richtige Realität". Man müsste eher von einer "verzerrten" oder "verformten" Realität sprechen, weil dieses Verhalten nicht den "entspannten Ruhezustand" der Welt darstellt, sondern eine durch den Energieeinsatz des Ich hervorgerufene Abweichung, die sich zurückbildet, wenn der Aktionismus eingestellt wird.

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nächstes Kapitel: Die verborgenen Ursachen (Erkenntnis)