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Die verborgenen Ursachen

Im Rahmen der wissenschaftlichen Weltsicht ist der Mensch mit einer zunehmenden Anzahl von Problemen konfrontiert, die ihn scheinbar zufällig irgendwie treffen. In einer Mischung aus Unwissen und Halbwissen werden die Probleme bekämpft mit dem Resultat, dass Krisen und Probleme immer weiter zunehmen.

Im Erkenntnisprozess offenbaren sich die wahren Hintergründe und Ursachen der Probleme und der Mensch muss erkennen, wie er all diese Probleme durch sein Unwissen selbst erzeugt hat.

Das ist eine paradoxe Situation, die nicht so leicht zu verstehen ist:

Der Mensch bekämpft Probleme in ihren Symptomen, von denen er annimmt, sie wären irgendwie außerhalb und unabhängig von ihm entstanden und hätten ihn rein zufällig getroffen, während ein Teil seines Verhaltens diese Probleme aber überhaupt erst hervorgebracht hat.

Darin liegt eine der größten Herausforderungen bei der Anwendung des Erkenntnisprozesses:

Es ist so viel leichter, ein Opfer zu sein und die Verantwortung auf den Zufall abzuschieben und dann einem "Experten" die Lösung des Problems zu übertragen.

Im Erkenntnisprozess werden all die verborgenen Verbindungen zwischen dem eigenen Verhalten und den daraus erwachsenden Problemen sichtbar.

Gleichzeitig ändert sich auch die Sicht auf die Welt: Das Verhalten der Welt ist nicht nur von Zufällen und Naturgesetzen bestimmt. Es ist teilweise von Naturgesetzen bestimmt. Ob es überhaupt von Zufällen bestimmt wird, kann ich an dieser Stelle nicht beantworten. Aber sicher ist, dass ein großer Teil dessen, was der Mensch als Zufall wahrnimmt, alles andere als zufällig ist.

Im Rahmen der wissenschaftlichen Weltsicht ist die Welt eine "dumme Welt", die mehr schlecht als recht von Zufällen und Naturgesetzen angetrieben vor sich hindümpelt. Und der Mensch hat alle Hände voll zu tun, mit diesem dämlichen, sinnlosen Verhalten der Welt irgendwie fertig zu werden. Ich bezeichne diese Situation auch als "Welt kaputt": Die Welt ist kaputt und der Mensch muss an allen Ecken und Enden reparieren und flicken, was ihn zunehmend überfordert.

Wenn sich im Erkenntnisprozess diese Sichtweise ändert, dann ist die Welt plötzlich gar nicht mehr dämlich. Was vorher zufällig erschien, ergibt plötzlich einen Sinn. Und damit werden die Probleme lösbar - und zwar richtig lösbar und nicht nur notdürftig kompensierbar. Die Ursachen der Probleme, die bisher immer in der Welt gesucht wurden, werden in der Weltsicht gefunden. Nicht die Welt ist kaputt, sondern die Weltsicht ist kaputt. Das ist der wesentliche Perspektivwechsel. Die Ursachen der menschlichen Probleme liegen in seiner Weltsicht und nicht in der Welt.

Gleichzeitig offenbart die Welt eine Vielzahl von Mechanismen und Zusammenhängen, die alles andere als dämlich oder dumm sind. Die Welt offenbart Formen von Intelligenz und Sinn, die weit über das hinausgehen, was der Mensch sich auf dem gegenwärtigen Stand seiner Entwicklung ausdenken könnte.

Damit das Leben des Menschen funktioniert, müssen der Mensch (das Ich) und die Welt auf eine bestimmte Weise zusammenspielen. Dieses Zusammenspiel kann nur funktionieren, wenn die Sicht des Menschen auf die Welt (seine Weltsicht) eine gewisse Übereinstimmung mit der Realität aufweist. Andernfalls entstehen Probleme. In den folgenden Kapiteln werde ich eine Reihe von Mustern der Problementstehung aufzeigen. Es handelt sich dabei allerdings nicht um eine vollständige Darstellung, sondern lediglich um eine Auswahl einiger sehr verbreiteter Problem-Entstehungsmuster.

Ich hatte eingangs dieses Kapitels dargestellt, wie der Mensch Probleme in ihren Symptomen bekämpft, von denen er meint, sie hätten ihn zufällig getroffen, während er diese Probleme tatsächlich aber mit seinem Verhalten selbst erst hervorgebracht hat. Außerdem hatte ich im Kapitel zuvor erläutert, wie das Ankämpfen gegen Symptome ohne Kenntnis der Ursachen zur Verstärkung der Symptome führt. Daraus ergibt sich die Unterscheidung zwischen

  1. primärer Problem-Entstehung (eigentliche Problemursache)
  2. und sekundärer Symptomverstärkung (zusätzliche Verstärkung der negativen Problem-Auswirkungen durch Aktionismus)

Die sekundäre Symptomverstärkung ist in der Regel der Entwicklungsstrang mit den (zum Teil deutlich) stärkeren negativen Auswirkungen.

Das bedeutet bei jedem Problem zwei Arten der Entstehung von Symptomen. Die Symptome gleichen sich natürlich inhaltlich, aber der Prozess ihrer Entstehung kann völlig unterschiedlich sein. Der Erkenntnisprozess stoppt in jedem Fall die sekundäre Symptomverstärkung und er deckt die Ursachen der primären Problem-Entstehung auf. Aber die Ursachen des primären Problems müssen dann erst noch beseitigt werden. Die Umsetzung der Erkenntnisse leistet der Erkenntnisprozess nicht. Er liefert dafür nur die Erkenntnisse.

Eine Ausnahme ist der bereits erwähnte Spezialfall, dass die Weltsicht Schein-Probleme hervorbringt, die in der Realität überhaupt nicht existieren. Hier entfällt die eigentliche Problemursache bzw. ist eine irrtümliche negative Zukunftsprojektion die eigentliche Problemursache, die zu Aktionismus führt und dieser Aktionismus bringt dann Symptome hervor, die wiederum weiter bekämpft werden. In diesem Spezialfall stimmen Problem-verursachendes Verhalten und Problem-verstärkendes Verhalten überein und der Erkenntnisprozess löst beides "in einem Rutsch" auf.

Das kann er allerdings auch nur dann, wenn die "negative Verzerrung" auf Seiten der Welt noch nicht zu weit fortgeschritten ist. Ich hatte im letzten Kapitel dargestellt, wie falsche Vorstellungen über das Verhalten der Welt dazu führen, dass die Welt sich in ihrem Verhalten diesen falschen Vorstellungen anzugleichen beginnt, wenn diese falschen Vorstellungen über das eigene Verhalten auf die Welt projiziert werden. Die "negative Verzerrung" in Form der Problem-Symptome durchläuft dabei verschiedene Entwicklungsphasen, die ich als "fiktiv", "psychisch", "materiell" und "irreversibel" bezeichne:

  1. fiktiv: Die Symptome existieren nur als fiktive Vorstellung. Es werden aber noch keine Symptome tatsächlich wahrgenommen.
  2. psychisch oder auch "nicht-materiell": Symptome werden wahrgenommen, aber es lassen sich noch keine damit im Zusammenhang stehenden materiellen Veränderungen erkennen.
  3. materiell oder auch "physisch": Den Symptomen lassen sich materielle Veränderungen zuordnen. Diese könnten sich aber noch zurückentwickeln.
  4. irreversibel: Die Symptome können sich im Rahmen einer menschlichen Generation nicht mehr komplett zurückentwickeln. Einen Veränderungsspielraum zum Positiven gibt es aber immer. Er reicht nur nicht mehr in den Bereich völliger Symptomfreiheit hinein.

Zahlreiche Krankheiten entwickeln sich auf diese Weise aber auch die globalen Probleme, zum Beispiel Umwelt und Klima betreffend.

Man könnte an dieser Stelle einwenden, der Mensch sehe durchaus, wie er seine Probleme selbst erzeuge, zum Beispiel

  1. Klima- und Umwelt-Probleme durch zu hohen Energieverbrauch (globales Beispiel die ganze Menschheit betreffend)
  2. Krebs durch Rauchen (individuelles Beispiel einzelne Menschen betreffend)

Die "Lösung" im Fall 1: Energieverbrauch senken
Die "Lösung" im Fall 2: Die Sucht aufgeben

Beide Lösungen würden eine Verhaltensänderung des Menschen bedeuten. Nur warum klappt es mit dieser Art der Problemlösung nicht? Der Mensch müht und müht sich, sein Verhalten entsprechend zu ändern, aber es geht nicht!

Weil das irrtümlich als Ursache identifizierte Verhalten eben keine Ursache ist, sondern bereits zu den Symptomen gehört. Und ein Herumdoktern an Symptomen ohne Kenntnis der eigentlichen Ursache ist Aktionismus, der die negativen Auswirkungen des Problems nur noch weiter verschärft.

nächstes Kapitel: Das Ich (Ursachen)